Bürgerversammlung Bezirk 16 - Asylbewerberheim Nailastraße

Am 24.07.2014 fand im Schulzentrum an der Quiddestraße eine Bürgerversammlung statt. Für mich war es die erste Veranstaltung dieser Art und ich muss sagen, Bürgerversammlungen sind wirklich interessant und ich kann nur jedem empfehlen, sich so eine mal anzuschauen. Es geht viel um Baumaßnahmen im Bezirk, Schulen, Sporteinrichtungen etc. Die Veranstaltung gestern war allerdings sehr dominiert vom Thema Planung der Errichtung eines Asylbewerberheims in der Nailastraße. Andere Themen wurden natürlich auch besprochen, kamen aber deutlich zu kurz und sind nicht Thema dieses Beitrags. Vielleicht das nächste mal.

Was ist geplant:

In der Nailastraße (siehe Karte) soll in “ansprechender Blockbauweise” eine Unterkunft für Asylbewerber entstehen. Das Grundstück hat ca. 1 Hektar, also gut 10.000 qm Fläche und gehört der Stadt München. Dort wird in Blockbauweise ein Gebäude mit 2 Etagen (Erdgeschoß+1) und 2.600 qm Fläche entstehen, welches 275 Bettenplätze bieten soll. Natürlich mit Gemeinschaftsräumen, Spielplatz etc. . Jeder Einwohner / Bettenplatz hat dabei die 7 qm Mindestwohnfläche. Betreiber des Hauses bleibt die Stadt München (Verwaltung, Hausmeister), unterstützt von anderen Leistungsträgern, die noch nicht genannt wurden. Die Fertigstellung ist für das 1. Quartal 2015 geplant.

Wer das Gelände ausführlicher aus der Luft sehen möchte, dem sei die Seite von Guido Buchholtz empfohlen. Dort findet ihr bei einem Klick links im Menü einen Drohnen-Überflug.

Hintergründe:

Große Teile Nordafrikas befinden sich im Krieg. Viele Menschen fliehen und kommen nach Europa, weil sie so der Verfolgung, Folter und Tod entgehen wollen und werden hier nach einem Schlüssel auf alle Europäischen Länder verteilt. Es ist nicht so, dass Deutschland als einziges Land Flüchtlinge aufnimmt und auch nicht so, dass München alle deutschen Flüchtlinge unterbringen muss, doch auf uns entfallen alleine im Jahr 2014 immerhin 2.400 Menschen, die Hilfe benötigen. Diese kommen in Deutschland zuerst in Erstaufnahmeeinrichtungen (im Schnitt 2-8 Wochen, maximal 3 Monate) und werden dann auf solche Unterkünfte verteilt, wie in der Nailastraße geplant. Dort dürfen und müssen Sie bleiben, solange ihr Asylantrag bearbeitet wird (offenes Verfahren). Danach dürfen sie sich eine Wohnung und Arbeit suchen und verlassen die Einrichtung, um (hoffentlich) in eine ganz “normale” Wohnung zu ziehen. Im Jahr 2013 wurden weltweit übrigens sieben Millionen Menschen aus ihrer Heimat vertrieben. 110.000 davon baten in Deutschland um Asyl. Nach München kommen lediglich 1,5% davon. Bei der aktuellen Nachrichtenlage bin ich gespannt auf die Entwicklungen in Palästina und der Ukraine (Stand heute: 250.000 Flüchtlinge), da diese eher für mehr international Hilfesuchende sorgen werden als für weniger.

Stimmen der Bürgerversammlung:

Nun hat bei so einer Bürgerversammlung jeder das Recht, einen Antrag einzubringen und gestern kamen ganze 10 Anträge zu dem Thema auf. Ich war so frei euch unter der Überschrift “Zitate” einige davon wiederzugeben. Aber erst mal zur offiziellen Seite. Der zweite Bürgermeister Josef Schmidt hatte gestern keine leichte Aufgabe und hat sie dennoch vorbildlich gemeistert und das Thema wirklich ausführlich erklärt, auf die Einhaltung der Regeln geachtet (Redezeit etc.) und sich nach der Veranstaltung auch noch Zeit für Gespräche mit den Bürgern genommen. Alles in allem hat er eines klar gemacht: Die Stadt München muss deutlich mehr Menschen aufnehmen als wir derzeit passende Einrichtungen haben und so sind Neubauten unausweichlich und das an unterschiedlichen Stellen in München mit geeigneten Flächen. Auch die Polizei kam zu Wort. Die Erfahrungen zeigen, dass in solchen Heimen keine höhere Kriminalität herrscht, als in den Hochhäusern in Neuperlach. Klar gibt es Gewaltverbrechen, aber eher in den Erstaufnahmeeinrichtungen, nicht in solchen, wie in der Nailastraße geplant und dann, ganz platt, kloppen die sich halt untereinander aber überfallen keine Menschen auf der Straße.

Nur um eines klar zu stellen: Wir haben als Menschen die Pflicht anderen Menschen zu helfen, vor allem, da wir einen großen Teil unseres Wohlstandes einfach darauf begründen, dass es anderen Menschen deutlich schlechter geht. Die Diskussion alleine ist schon uferlos, deshalb will ich es bei dieser Aussage hier belassen: Ich war skeptisch, welche Gründe es gegen die Einrichtung geben könne und wurde gestern nicht überzeugt. Ich bin für den Bau der Einrichtung und deren Betrieb. Auch ich habe Wohneigentum im Umkreis von ca. 1,5 km und selbst wenn die Preise hier sinken würden (was ich nicht glaube), dann ist es das wert.

Nun aber zu den Highlights 😉

Zitate aus den Anträgen:

Das sind ja alles Leute, die sich da hinten im Eck gar nicht kulturell entfalten können. Die sollte man ins Sudermann-Zentrum zu den anderen packen. Da gibt es ein Islam Zentrum zum beten und auch Läden mit Helal-Essen. Und man könnte das auf den Grasstreifen und das Feld neben dem Krankenhaus bauen, da ist wenigstens die Gesundheitsversorgung sicher gestellt

Nein, das ist kein Tippfehler von mir, er hat wirklich “helal” gesagt. Bis auf den Begriff Islam Zentrum hat er gewissenhaft jede Form von “Islam” oder “Moslem” vermieden. Sicher aus gutem Grund. Aber was soll es denn heißen, wenn man es auf das Wesentliche herunter bricht?

Für mich heißt das übersetzt
Wir haben da eine Ecke mit Andersgläubigen, da können wir die neuen doch auch einfach da hin packen, das fällt dann gar nicht auf.

Jetzt begebe ich mich auch auf dünnes Eis, aber meiner Erfahrung nach essen nicht alle Moslem nur die Nahrung nach den strengen halal Vorschriften und mal ehrlich. Wenn jemand in seinem Heimatland verfolgt wird, sich mit Hunderten anderen auf ein Schiff pfercht, um das Mittelmeer zu überqueren und dann hier ankommt, wird er sich dann über solche Punkte beschweren? Ich kenne die Zusammensetzung der Flüchtlinge nicht, aber ich denke nicht, dass diejenigen fliehen, die streng konservativ sind, sondernd eher die Progressiven….
Ganz davon abgesehen handelt es sich hier um eine soziale Einrichtung, die sicher auch mit entsprechenden Möglichkeiten für die Zubereitung von Nahrung ausgestattet ist, wenn nicht sogar eine Kantine hat, was das Problem löst. Im Umkreis von 2km Luftlinie (Carl-Wery-Straße) befindet sich übrigens auch eine große Moschee. Problem gelöst oder?

Eine Frau brachte gleich mehrere SUPER Argumente

  • Da ist eine Schule in der Nähe und die Schüler, die zum Discounter laufen, kommen dann an denen vorbei und sehen die.
  • Wer sich auf der Karte das Heinrich-Heine-Gymnasium sucht und den genannten Discounter, der wird sehen, dass es da gleich zwei gibt und bei keinem der beiden läuft man an der Nailastraße vorbei. Und mal im Ernst, was ist das denn für eine Aussage, dass man es den Schülern nicht zumuten kann, Flüchtlinge/Asylbewerber zu SEHEN(!!)?

  • In dem Park in der Nähe, da sind ja auch Frauen mit Kindern.
  • In der Einrichtung sind auch Eltern mit Kindern und noch schlimmer: Allein reisende Jugendliche, das heißt Kinder, die ohne ihre Eltern geflohen sind oder diese auf der Flucht verloren haben.>Und auch leicht bekleidete, besonders schutzbedürftige Frauen.
    Äh ja… Klar… bitte geht zurück in euren Bürgerkrieg, hier gibt es Bikinis…

Ebenfalls angesprochen wurden die Punkte

  • Verkehrssituation
  • Das sollte man ernsthaft im Auge behalten. Das Industriegebiet belastet die Straßen da in der Gegend und wenn jetzt noch 275 Menschen jeden Tag Besuch von Ihren Bekannten bekommen…

  • Parkplatzsituation
  • Ganz zu schweigen von den Autos der Asylbewerber. Wir wissen ja alle, dass sich die meisten, nachdem sie vom Schiff runter sind erst mal einen 7er BMW oder eine S-Klasse kaufen, um die Enge bei der Überfahrt zu kompensieren…

  • Man könne auf der kleinen Fläche keine Menschenwürdige Unterbringung gewährleisten
  • Jeder Einwohner der Einrichtung hat 7qm zur Verfügung. Es gibt zwei- und vierbett Zimmer auf insgesamt 2.600qm Gebäudefläche. Ich habe mir sagen lassen, dass in München die Kinderzimmer in Sozialwohnungen auch nicht größer als 7qm sind (unbestätigte Quelle)

  • Wertverlust der Grundstücke
  • Grundgesetz Art. 14 Abs. 2: Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.

    Hierzu sagte Josef Schmidt etwas tolles, was es meiner Meinung nach bestens trifft: Zum einen tritt ein Wertverlust nur auf, wenn man das Eigentum verkauft, was keiner der Anwesenden vor hatte, zum anderen sei jedem ein Blick in unser Grundgesetz empfohlen und da in Artikel 14 Absatz 2

  • Es bleibt ja nicht bei 275 Betten, das wird völlig überfüllt
  • Das werden wir sehen. Ich glaub da noch nicht dran….

Selbst die Gegner der Einrichtung haben aber dann zu murmeln angefangen, als eine Dame angefangen hat über die Lage und die Windverhältnisse zu sprechen…

Habt ihr den Puff bemerkt?

Was mich wundert ist, dass ich noch nie jemanden gehört habe, der sich über den Puff beschwert, der sich ca. 500m Luftlinie nördlich befindet (Hofer Straße, bei dem Discounter). Ursprünglich war es mal ein kleines Gartenhäuschen. Daraus wurde irgendwann eine dreistöckige Villa. Im letzten Bauabschnitt wurde ein weiteres dreistöckiges Haus auf dem Gelände errichtet. Schauen toll aus die Häuser. Darin befindet sich unterdessen ein Laufhaus, diverse Massageclubs, ein Table Dance und vor kurzem hat die Spielhalle eröffnet. Gegenüber, das ältere Haus auf der anderen Straßenseite, ist ein FKK-/Swinger-Club. Nackte Polinnen sind also deutlich akzeptierter als nordafrikanische Flüchtlinge.

Zusammenfassung

Leute, regt euch bitte nicht so auf. Wir leben hier wie die Maden im Speck, doch so gut geht es nicht allen Menschen auf der Welt und diejenigen brauchen unsere Hilfe. Keiner kommt in die Nailastraße mit dem Plan, die ringsum wohnenden Anwohner zu belästigen, deren Häuser anzuzünden oder sonstiges. Stellt euch nicht so an.
Fragen könnt ihr an den Bezirksausschuss 16 stellen.

Anmerkung Kommentare

-Wie immer werden alle Kommentare erst nach Freischaltung veröffentlicht, also bitte nicht erwarten, dass die gleich online sind
-Ich veröffentliche alle Kommentare mit allen Meinungen, solange sie keinen Rechtsextremistischen Einschlag haben.